Hyperkalzämie

 

Hyperkalzämie durch Vitamin-D-Überdosierung

 

Weitverbreitet, auch unter Ärzten, ist die Befürchtung, bei hochdosierter Gabe von Vitamin-D-Präparaten komme es zur Anhebung des Kalziumspiegels auf kritische Werte und damit zu einer Hyperkalzämie, die zur Verkalkung von Blutgefäßen, Nieren und anderen weichen Organen führe. Doch diese Befürchtung ist bei richtiger Dosierung unbegründet.

Dr. Raimund von Helden schreibt dazu in seinem Buch Gesund in sieben Tagen, Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie : „Viele deutsche Labore bewerten … schon Werte über 2,60 mmol/l als krankhaft erhöht. In internationalen Studien werden jedoch erst Werte über 2,75 mmol/l als problematische „Hypercalciämie“ (krankhaft erhöhte Calciumwerte im Blut) angesehen. Eine Forschergruppe aus Paris sieht keine Gefahr, sofern der Calciumspiegel unterhalb von 3,00 mmol/l bleibt.“

„Es gibt keine Quellen, die für den Bereich von 2,60 bis 3,00 mmol/l eine Gefahr beschreiben. Die für Deutschland typische Obergrenze von 2,60 mmol/l reflektiert nur die Folgen des landesweiten Vitamin-D-Mangels. Die zu großen Teilen erkrankte Bevölkerung zieht den Streubereich für Vitamin D und Calcium nach unten. Deshalb gilt es, den Vitamin-D-Spiegel zu normalisieren und sich dabei nicht von „erhöhten“ Calciumwerten irritieren zu lassen, solange diese unter 3,00 mmol/l bleiben. Dadurch besteht auch keine Gefahr für die „Verkalkung“ der Blutgefäße. Vielmehr ist der Mangel an Vitamin D ein Risikofaktor für Arteriosklerose.“

Nach hierzulande üblicher Ansicht sei bei einer Konzentration von über 2,7 mmol/l (10,8 mg/dl) Gesamtkalzium im Blutserum bzw. 1,3 mmol/l ionisiertes (freies) Kalzium von einer Hyperkalzämie (Hypercalcämie), einer Kalziumüberlastung auszugehen.

Mit einer hyperkalzämischen Krise (akute Kalziumüberlastung) ist bei über 3,5 mmol/l (14,0 mg/dl) Gesamtkalzium im Serum zu rechnen.

Im Gegensatz dazu besteht Hypokalzämie (auch Hypocalcämie, Hypocalciämie oder Hypokalziämie), ein kritisch niedriger Kalziumspiegel, wenn dieser unter 2,25 mmol/l (9 mg/dl) bzw. der Gehalt freier Kalzium-Ionen unter 1,1 mmol/l (4,5 mg/dl) liegt.

 

Zur Einordnung und Umrechnung der Werte (die Molmasse von Kalzium beträgt 40,078 g/mol):

2,60 mmol/l – 10,42 mg/dl

2,70 mmol/l – 10,82 mg/dl

2,75 mmol/l – 11,02 mg/dl

3,00 mmol/l – 12,02 mg/dl

 

In der DDR wurden die Zielwerte aus Norwegen übernommen. Damals galt ein Kalziumspiegel von 9,4 bis 11,2 mg/dl (2,35 bis 2,80 mmol/l) als normal. Zum Teil wurden sehr hohe Vitamin-D-Dosen an Kleinkinder verabreicht (bis zu 600.000 Einheiten pro Vierteljahr bzw. 3,6 Millionen Einheiten in den ersten 18 Lebensmonaten).

Bei einer Bevölkerung, bei der Vitamin-D-Mangel die Regel ist, werden durch Verallgemeinerung bedenklich geringe Kalziumwerte als normal angesehen. In den USA zum Beispiel liegen die Zielwerte bei 9,0 bis 10,5 mg/dl (2,25 bis 2,62 mmol/l). Doch man sollte sich nicht an Durchschnittswerten einer kranken Bevölkerung orientieren, sondern an optimalen Werten, wie sie bei Naturvölkern in sonnenreichen Regionen, bei Bademeistern, Dachdeckern und Gärtnern im Sommer festzustellen sind.

Sonnenbaden ist hinsichtlich des Kalziumspiegels unbedenklich, weil dadurch keine kritischen Werte erreicht werden.

Vitamin-D-Präparate können jedoch bei sehr hoher Dosierung zu einer Kalziumüberlastung und damit zu einer Verkalkung der Blutgefäße und weichen Gewebe führen. Ob es dazu kommt, hängt vor allem von Versorgung mit Vitamin K ab.

 

Vitamin K2 schützt vor Vitamin-D-Toxizität bei Überdosierung

Vitamin K bewirkt die Carboxylierung von Osteocalcin, ein Hormon, das die Kalziumeinlagerung in Knochen und Zähnen und damit deren Mineralisierung fördert.

Ein erhöhter Kalziumspiegel ist ein Risikofaktor für die Verkalkung von Blutgefäßen und weichen Geweben. Doch Vitamin K2 ist hierfür der entscheidende Faktor, denn Vitamin K2 verhindert die Verkalkung bei mäßiger Vitamin-D-Überdosierung und schützt somit vor Schäden.[i]

Vitamin K2 ist also dafür verantwortlich, daß einerseits die Knochen gut mineralisiert bleiben und Osteoporose verhütet wird, während andererseits die Verkalkung der Blutgefäße und weichen Gewebe vermieden wird. Doch leider ist Vitamin-K2-Mangel weitverbreitet.

Bei Überdosierung mit Vitamin D wird vermehrt Vitamin K2 verbraucht und ein Mangel daran verschlimmert.[ii] Deshalb sollte der optimale Vitamin-D-Spiegel im Blut angestrebt und Überdosierung vermieden werden.

Ist eine Supplementierung mit Vitamin D erforderlich, empfiehlt sich bei hohem Vitamin-D-Spiegel auch die Gabe von Vitamin K2.

 

Kalziumreiche Nahrung ist kritisch

Bei reichlichem Verzehr kalziumreicher Nahrung (Milch, Käse, Quark, Joghurt) in Kombination mit einem überhöhten Vitamin-D-Spiegel besteht allerdings die Gefahr eines zu hohen Kalziumspiegels im Blut.

Solange der Vitamin-D-Spiegel zu hoch ist, empfiehlt sich der Verzicht auf kalziumreiche Milchprodukte. Zumindest ist eine starke Einschränkung notwendig.

 


Mehr darüber in dem Buch Osteoporose als Folge fehlerhafter Ernährung und Lebensweise:


[i] Masterjohn: Vitamin D toxicity redefined: vitamin K and the molecular mechanism. Med. Hypotheses 2007; 68(5): 1026-34.
[ii] Fu, Wang, Mernitz, Wallin, Shea, Booth: 9-Cis retinoic acid reduces 1alpha,25-dihydroxycholecalciferol-induced renal calcification by altering vitamin K-dependent gamma-carboxylation of matrix gamma-carboxyglutamic acid protein in A/J male mice. J. Nutr. 2008;138(12): 2337-41.