Ausgewogene Ernährung

 

Der Mythos von der ausgewogenen Ernährung

 

Wer spricht nicht alles von einer ausgewogenen Ernährung. Doch damit weiß man noch lange nicht, was gemeint ist – eine leere und nichtssagende Floskel. Jeder kann darin sehen, was er will. Jeder kann sich in seiner Ernährung bestätigt fühlen.

Gesund ist eine Ernährung, die alle Nährstoff-Bedürfnisse erfüllt.

Es kommt darauf an, zu den einzelnen Nährstoffen konkrete Angaben zu machen über Zufuhr und Laborwerte, um Klarheit über den Status der Versorgung zu geben, der von einem extremen Mangel bis extremer Überlastung reicht (extremer Mangel – starker Mangel – leichter Mangel – latenter Mangel (keine Beschwerden) – Deckung des Mindestbedarfs – befriedigende Versorgung – gute Zufuhr – optimale Zufuhr und Versorgung – Überlastung – extreme Überlastung).

 

Der Bedarf an Mineralstoffen, Vitaminen und anderen Mikronährstoffen ist unklar. Die Wissenschaftler können sich nicht einigen. Von Land zu Land gibt es beachtliche Unterschiede hinsichtlich der empfohlenen Zufuhr.

Dr. Stephen Davies untersuchte bei Tausenden von Menschen den Status der B-Vitamine und bei über 70 Prozent war ein Mangel zu verzeichnen (Patrick Holford: The Optimum Nutrition Bible, 2005, 98).

Eine ausgewogene Ernährung, bei der man gemäß der Ernährungspyramide von allem die empfohlene Menge ißt, erweist sich bei genauer Betrachtung als Mythos. Dem Bateman-Report zufolge fand man bei 85 Prozent der Menschen, die meinten, sich ausgewogen zu ernähren, eine nicht bedarfsgerechte Zufuhr an Mikronährstoffen. – Wohl die meisten Menschen neigen dazu, den gesundheitlichen Wert ihrer Ernährung zu überschätzen.

Die Food Commission in Großbritannien berichtet 1992, daß sich 25 Prozent der Sozialhilfeempfänger bei acht Mikronährstoffen eine solch geringe Menge zuführten, die zu schweren Mangelerkrankungen führt. Weniger als 10 Prozent der Bevölkerung deckt seinen Mindestbedarf, der in Großbritannien recht niedrig angesetzt ist (Holford 2005, 98 f.).

Dr. Emanuel Cheraskin, Universität Alabama, hat mit seinem Team 13500 Menschen in den USA über 15 Jahre untersuchend begleitet (Befragung zum Gesundheitsstatus und Befinden, ärztliche Allgemeinuntersuchung, ebenso von Gebiß und Augen, Bluttests, Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit, Ernährungsanalyse). Das Ziel war, einen Zusammenhang zwischen der Versorgung mit Mikronährstoffen und dem Gesundheitszustand aufzudecken. Das Ergebnis: Die Personen mit der höchsten Versorgung an Mikronährstoffen erfreuten sich auch des besten Gesundheitszustandes. Diese Personen führten sich in der Regel ein Vielfaches an Nährstoffen zu, als offiziell als Mindestbedarf angegeben wird. – Diese Ernährung, reich an Mineralstoffen, Vitaminen und anderen Mikronährstoffen, ist deshalb der sogenannten ausgewogenen Ernährung überlegen.

Ausführlich über Mikro- und Makronährstoffe in dem Buch Osteoporose als Folge fehlerhafter Ernährung und Lebensweise. Über die Irrtümer der Osteoporose-Medizin und die Kunst, gesund zu bleiben.

 

Zweifelhafte Bedarfsempfehlung

Viele Menschen, besonders ältere, leiden unter einem Mangel an Vitamin B12. Das führt unter anderem zu einem erhöhten Homocysteinspiegel, der wiederum ein starker Risikofaktor für viele Erkrankungen ist, etwa für Arteriosklerose oder Alzheimer-Demenz (mehr dazu in dem Buch Volkskrankheit Vitamin-B12-Mangel. Über die schwerwiegenden Folgen geringer Zufuhr, gestörter Aufnahme und Verwertung von Vitamin B12).

 

Führen sich nun ältere Menschen mit einem Mangel 10 µg Vitamin B12 täglich zu, etwa das Doppelte des offiziell ausgewiesenen Mindestbedarfs, verbessern sich weder Vitamin-B12-Status noch Homocysteinspiegel. Erst bei Zufuhr von 50 µg Vitamin B12, etwa das Achtfache des Mindestbedarfs, verbesserten sich die Werte deutlich.

 

Seal; Metz; Flicker; Melny: A randomized, double-blind, placebo-controlled study of oral vitamin B12 supplementation in older patients with subnormal or borderline serum vitamin B12 concentrations. J Am Geriatr Soc. 2002 Jan;50(1):146-51. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12028259