Langlebigkeit auf Okinawa

 

Das Geheimnis des langen und gesunden Lebens –
Was uns die Hundertjährigen auf Okinawa lehren

 

Alt werden möchte jeder, alt sein aber niemand. – Denn die Alten sind von Beschwerden, Krankheit und Hinfälligkeit geplagt. Doch das muß nicht sein, wie die Hochbetagten auf Okinawa beweisen.

Langlebigkeit auf Okinawa

 

Japan gilt als das Land mit der höchsten Lebenserwartung (für beide Geschlechter 82,7 Jahre,  Männer 79,4 und Frauen 85,9 Jahre). Allerdings liegt die Schweiz inzwischen mit 82,8 Jahren an der Spitze (Männer 80,5 und Frauen 85,0 Jahre).

Innerhalb Japans ist auf der Inselgruppe von Okinawa die höchste Lebenserwartung zu verzeichnen (bei Frauen über 87 Jahre). Den Alten auf Okinawa wird in wissenschaftlichen Untersuchungen ein überdurchschnittlich guter Gesundheitszustand attestiert. Das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes zu erkranken, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenschäden zu erleiden, ist bei Menschen mit traditioneller Ernährung und Lebensweise geringer als im übrigen Japan und geringer als in der übrigen Welt.

Okinawa gilt weltweit als die Region mit den meisten Hundertjährigen pro 100.000 Einwohner. Die Zahl der Hundertjährigen auf Okinawa ist um Faktor 5 bis 40 höher als in anderen Präfekturen Japans. Die Anzahl der Todesfälle im Alter von 60 bis 64 Jahren betrug auf Okinawa 1.280 pro 100.000 Einwohner und in Japan 2.181, wobei Japan von allen Ländern damals an der Spitze lag und auch heute noch einen Spitzenplatz einnimmt (Walford 2005, 26 f.).

Die Hundertjährigen auf Okinawa verfügen über Arterien, wie sie üblicherweise bei zwanzig bis dreißig Jahre jüngeren Personen in den USA festgestellt werden (Willcox 2001, 18 ff., 427). Die Häufigkeit tödlicher Herzinfarkte liegt lediglich bei 18 Prozent des Niveaus in den USA (Willcox 2001, 57 ff.).

Der Homocysteinspiegel, ein Risikofaktor für Arteriosklerose, ist bei Japanern auf Okinawa niedrig (im Durchschnitt unter 8 µmol/l, ein idealer Wert, Willcox 2001, 21). Die Cholesterinwerte sind gut und auch der Blutdruck ist bei den meisten älteren Menschen optimal (Willcox 2001, 23 ff.).

Die Häufigkeit von Schlaganfall auf Okinawa gegenüber Japan liegt bei nur 60 %, von Herzinfarkt bei 70 % und von Krebs bei 60 %.

 

Demenz

Die Demenzhäufigkeit auf Okinawa liegt bei den über 85Jährigen nur etwa auf der Hälfte dessen, was auf den Hauptinseln Japans sowie in den USA zu verzeichnen ist (Willcox 2001, 48).

 

Oxidativer Streß durch freie Radikale

Die Konzentration an Plasmalipidperoxid, ein Maß für die Belastung durch freie Radikale, liegt bei den Hundertjährigen auf Okinawa lediglich bei der Hälfte dessen, was sonst bei der Bevölkerung im Durchschnitt zu verzeichnen ist. Der Grund dafür ist bei der knappen Kalorienzufuhr zu suchen sowie in dem hohen Anteil von Obst und Gemüse, wodurch eine gute Versorgung mit Antioxidantien sichergestellt wird.

 

Osteoporose

Die Häufigkeit von Hüftfrakturen von Frauen auf Okinawa ist um 20 Prozent geringer als im übrigen Japan, die wiederum um 40 Prozent unter dem Niveau der USA liegt. Somit ist das Hüftfrakturrisiko auf Okinawa nur halb so hoch wie das in den USA (Ross 1991).

Die mittlere Lebenserwartung der Frauen auf Okinawa beläuft sich auf über 87 Jahre, in Japan auf 85,9 Jahre und in den USA lediglich auf 81,1 Jahre. Da sich die meisten Hüftfrakturen in den letzten Lebensjahren ereignen, erhält die halbe Hüftfrakturrate auf Okinawa ein noch größeres Gewicht. Würden die US-Amerikanerinnen sechs Jahre länger leben und das Durchschnittsalter der Frauen auf Okinawa erreichen, würden sich weitaus mehr Hüftfrakturen ereignen. Denn in den USA kommt es bei 100.000 Frauen mit 80 Jahren zu 200 Hüftfrakturen pro Jahr, mit 85 Jahren jedoch zu 325 Hüftfrakturen (Schneider 2011, 31). Somit haben die Frauen auf Okinawa altersbereinigt eine Hüftfrakturrate von weniger als 30 Prozent dessen, was in den USA zu verzeichnen ist.

Die Gründe dafür:

  • Gute Versorgung mit Vitamin D.
  • Viel Obst und Gemüse (viel Vitamin C, Magnesium und Antioxidantien).
  • Die Menschen auf Okinawa nehmen die achtfache Menge an Flavonoiden auf. Flavonoide und Lignane modulieren selektiv die Östrogenrezeptoren. Dadurch wirken Östrogene stärker auf die Zellen mit Östrogenrezeptoren. Außerdem fördern Flavonoide den Knochenaufbau und hemmen einen übermäßig schnellen Knochenabbau (mehr dazu in meinem Buch über Osteoporose, das Ende 2014 erscheinen wird).

Auf Okinawa gibt es praktisch keine Frau, die im Rahmen einer Hormonersatztherapie mit synthetischen oder natürlichen Östrogenen behandelt wurde (Willcox 2001, 52). Das ist auch gar nicht nötig, weil Frauen und auch Männer auf Okinawa hormonell langsamer altern. Dadurch haben sie im Alter bessere Werte bei DHEA, Testosteron und Östrogenen. Das trägt neben Vitamin D, Ernährung und körperlicher Aktivität zu einem geringeren Frakturrisiko bei.

Nach Fujita (1994) haben ältere Frauen in Japan (Jahrgang 1910 und früher) stärkere Knochen, weil sie zumindest in ihrer Jugend und im frühen Erwachsenenleben körperlich schwer arbeiten mußten.

 

Ausführlich dazu das Buch Osteoporose als Folge fehlerhafter Ernährung und Lebensweise. Über die Irrtümer der Osteoporose-Medizin und die Kunst, gesund zu bleiben.

 

Krebserkrankungen

Die Häufigkeit von Krebserkrankungen auf Okinawa ist gering.

Die Anzahl der Krebstodesfälle pro Jahr und 100.000 Einwohner für das Jahr 1980 (Willcox 2001, 28):

 

Ernährung und Lebensweise auf Okinawa

Worin unterscheiden sich traditionelle Ernährung und Lebensweise der Bewohner Okinawas von der des übrigen Japans und der anderen Industrieländer?

  • Frische und saubere Luft.
  • Viel Sonne und eine gute Versorgung mit Vitamin D (Okinawa liegt auf der gleichen geographischen Breite wie Teneriffa). Angenehme Temperaturen das ganze Jahr über.
  • Geruhsames Landleben ohne Streß, leichte körperliche Arbeit im Freien, hauptsächlich Gartenarbeit.
  • Knappe Kalorienzufuhr, viel Gemüse und Früchte.
  • Ausreichende Proteinzufuhr, vor allem über Fisch, jedoch keine Proteinüberlastung.
  • Wenig Fett.
  • Hauptkalorienquelle sind Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Süßkartoffeln.
  • Keine Fabriknahrungsmittel, kein Zucker, keine Weißmehlprodukte.
  • Wenig Alkohol.
  • Schlanke Statur (geringer Körperfettanteil) und gute Fitneß.
  • Gesunde soziale Verhältnisse.
  • Lebensbejahende Einstellung.

 

Veränderung der Ernährung und Lebensweise in den vergangenen Jahrzehnten

Die Menschen, die in den Jahren von 1880 bis 1910 auf Okinawa geboren wurden, haben anders gelebt und sich anders ernährt, als jene, die nach 1945 geboren wurden. Ernährungs- und Lebensweise haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr dem der USA angenähert, nicht zuletzt aufgrund der Präsenz amerikanischer Truppen auf den Inseln. Dadurch ergibt sich für jene im mittleren Alter kein gesundheitlicher Vorteil mehr. Und bei den Jüngeren sind Übergewicht, Fettleibigkeit und eine schlechte gesundheitliche Verfassung mittlerweile ebenso häufig wie in den USA, also noch stärker ausgeprägt als auf den Hauptinseln Japans. Somit ist zu erwarten, daß sich die einst bemerkenswert gute Gesundheit der Bewohner Okinawas verflüchtigen wird.

Die Japaner, die in der zweiten oder dritten Generation in den USA leben und die dortige Ernährungsweise angenommen haben, verfügen über eine vergleichbare Lebenserwartung und leiden unter den gleichen Krankheiten wie die Weißen (Willcox 2001, 19). Gleiches gilt für andere Länder, wohin Japaner ausgewandert sind (Mizushima 1992). An den Genen liegt es demnach nicht. Ernährung und Lebensweise entscheiden.

 

Schutzfaktoren gegen Krebs:

  1. Geringe Kalorienzufuhr
  2. Hoher Anteil von Obst und Gemüse
  3. Hoher Kohlenhydratanteil, Zufuhr von Stärke über Kartoffeln, Süßkartoffeln, Reis und Hülsenfrüchte, Zucker über Früchte. Durch Faserstoffe steigt der Glukosespiegel im Blut langsamer an (geringe glykämische Wirkung).
  4. Keine Insulinresistenz.
  5. Relativ geringe Fettzufuhr, aber dafür hochwertige einfach ungesättigte Fettsäuren, aber auch mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren über Fisch.
  6. Hohe Zufuhr von Flavonoiden und Carotenoiden über Obst und Gemüse.
  7. Wenig Alkohol.
  8. Schlanke Statur (geringer Körperfettanteil) und gute Fitneß.

 


Willcox, Bradley; Willcox, Craig; Suzuki, Makoto: The Okinawa Programm. Learn the Secrets to Healthy Longevity. New York 2001.

Walford, Roy; Walford, Lisa: The Anti-Aging Plan. 10. Auflage New York 2005.

Schneider, Diane: The Complete Book of Bone Health. New York 2011.

 

 

Akisaka; Asato; Chan et al.: Energy and nutrient intakes of Okinawan centenarians. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo). 1996 Jun;42(3):241-8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8866260

Bonita: Cardiovascular disease in Okinawa. Lancet. 1993 May 8;341(8854):1185. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8098080

Hayflick: How and why we age. Exp Gerontol. 1998 Nov-Dec;33(7-8):639-53. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9951612

Hazzard: Ways to make „usual“ and „successful“ aging synonymous. Preventive gerontology. West J Med. 1997 October; 167(4): 206–215. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1304533/

Mizushima; Moriguchi; Nakada et al.: The relationship of dietary factors to cardiovascular diseases among Japanese in Okinawa and Japanese immigrants, originally from Okinawa, in Brazil. Hypertens Res. 1992;15:45–55.

Suzuki; Willcox; Rosenbaum; Willcox: Oxidative stress and longevity in okinawa: an investigation of blood lipid peroxidation and tocopherol in okinawan centenarians. Curr Gerontol Geriatr Res. 2010;2010:380460. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21490698

Willcox; Willcox; Todoriki; Suzuki: The Okinawan diet: health implications of a low-calorie, nutrient-dense, antioxidant-rich dietary pattern low in glycemic load. J Am Coll Nutr. 2009 Aug;28 Suppl:500S-516S. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20234038

Willcox BJ, Willcox DC, Todoriki et al.: Caloric restriction, the traditional Okinawan diet, and healthy aging: the diet of the world’s longest-lived people and its potential impact on morbidity and life span. Ann N Y Acad Sci. 2007 Oct;1114:434-55. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17986602

Willcox; Willcox; Todoriki et al.: Caloric restriction and human longevity: what can we learn from the Okinawans? Biogerontology. 2006 Jun;7(3):173-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16810568

 

Osteoporose

Davis; Ross; Nevitt; Wasnich: Incidence rates of falls among Japanese men and women living in Hawaii. J Clin Epidemiol. 1997 May;50(5):589-94. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9180651

Fujita: Osteoporosis in Japan: factors contributing to the low incidence of hip fracture. Adv Nutr Res. 1994;9:89-99. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7747676

Ross; Norimatsu; Davis et al.: A comparison of hip fracture incidence among native Japanese, Japanese Americans, and American Caucasians. Am J Epidemiol. 1991 Apr 15;133(8):801-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2021147

Ross; Huang: Hip fracture incidence among Caucasians in Hawaii is similar to Japanese. A population-based study. Aging (Milano). 2000 Oct;12(5):356-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11126521